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Diskurs um die aktive Sterbehilfe und Beihilfe zum Suizid

Wenn man den Wandel menschlichen Lebens in der westlichen Welt betrachtet, dann sind die Verhältnisse immer zivilisierter und „unnatürlicher“ geworden. Droht ein gravierendes „natürliches Ereignis“, z.B. schwerwiegende Erkrankung, Bewusstseinsverlust etc., dann wird massiv eingegriffen. Es herrscht ein Konsens, dass man „der Natur in diesem Fall nicht ihren Lauf lässt“. Idealtypisch soll diese Invasionsbereitschaft abgebrochen werden, wenn der Arzt als gate keeper die kurative Phase explizit beendet und das „natürliche Sterben“ einläutet. Plötzlich stehen Eingriffe unter „ethischer“ und rechtlicher, nicht professioneller Kontrolle. Der Patient soll sein Sterben nicht so gestalten, wie er möchte, d.h. Lebensverkürzung, die ansonsten neben Lebensverlängerung immer – allerdings meist „implizit“ – betrieben wurde, steht nun unter Strafandrohung. Freilich gilt die Strafandrohung – wie auch in vielen anderen Fällen – faktisch nicht für die Privilegierten.

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© 2017 - Dr. Klaus Feldmann